Sabine Schliephake

Aktuelles


Was für eine herausfordernde Zeit
9.4.2021

Die Coronazeit fordert uns alle in unterschiedlichen Bereichen und unterschiedlich stark, bis hin zur Überforderung. Denn es betrifft ja so Vieles in unserem Leben. All die Kleinigkeiten im Alltag, ebenso wie die großen Themen - Schule und Beruf, vielleicht die Existenz, vielleicht die eigene Gesundheit oder die anderer,  vielleicht sind da Sorgen, wie es weitergeht oder was wohl aus den Kindern wird. Emotional sind alle betroffen, Ängste spielen dabei eine besonders große Rolle und die damit verbundenen Gefühle lassen sich nicht so leicht verdrängen.


Extrem gefordert sind die Familien. Natürlich gibt es Positives, unerwartet Schönes und einfach gute Erlebnisse. Das zu sehen und immer wieder in den Mittelpunkt zu rücken ist wichtig, gibt Energie und tut gut.


Die andere Seite, das Zuviel und auch das Gefühl von Zu-viel-zugemutet-Bekommen und dies auch noch ohne erkennbares Ende, kostet Kraft, körperlich und emotional. Diese enorme Anspannung ist zu spüren, muss irgendwo raus und zeigt sich meist dort, wo jemand seine empfindliche Stelle hat.


Aus evolutionspädagogischer Sicht könnte man einiges den Entwicklungsstufen zuordnen. Möglicherweise kommt Ihnen das ein oder andere bekannt vor.


Fisch:

Diffuse Ängste werden wachgerufen, Ängste sind nicht greifbar, können schlecht benannt werden, sind unklar und auch körperlich spürbar, keine Ruhe finden


Amphibie:

Verunsicherung, was die Zukunft bringen wird, Rückzug anstatt Neugier, „hat eh alles keinen Sinn“, „bringt ja nix“, Motivation ist schwierig, Lernen für was?


Reptil:

Ärger und Wut auf das Virus, auf die Situation, auf andere, auf „die da oben“…, die Nerven liegen blank, Aggressionen, Sport fehlt


Säugetier:

So viele Gefühle, täglich wechselnd und schwer einzuordnen, schlaflose Nächte, konkrete Sorgen oder Ängste


Affe:

Fehlende Leichtigkeit, Vermissen des Zusammenseins und des Miteinander in der Gruppe, der Klasse, im Verein oder beim Musizieren


Urmensch:

Unbefriedigende Diskussionen, Streitigkeiten, werden unter Geschwistern vermehrt körperlich ausgetragen, wohin mit den körperlichen Kräften?


Mensch:

Grübeln, Gedankenströme, die zu keinem Ziel führen, Leiden unter der Spaltung, nicht mehr wissen wo einem der Kopf steht, Kunst und Kultur fehlen

   

Mit den evolutionspädagogischen Übungen kann man die Situation nicht „wegmachen“, jedoch manches erleichtern, gewisse Anspannungen herausnehmen, einen klareren oder neuen Blick ermöglichen und das weitere Verfestigen von Anspannung und Stress lindern.


Melden Sie sich gerne, wenn alles zu viel wird.


Alles Gute für Sie und Ihre Kinder!


Gleichgewicht und Lernen – eine spannende Verbindung! 
17.2.2020

Zuerst ein paar interessante Informationen zum Gleichgewichtssinn:

Der Gleichgewichtssinn, der sogenannte Vestibularapparat, befindet sich im Innenohr.

Seine wichtigste Aufgabe ist die Wahrnehmung, in welcher Lage sich der Körper befindet, z.B. ob er liegt oder steht, ob er sich bewegt, ob er schneller oder langsamer wird, ob er sich dreht oder sich in Ruhe befindet. Eine weitere Aufgabe ist, ein Gefühl für die Schwerkraft zu entwickeln und das Umgehen damit, d.h. wie kann ich mich in der Schwerkraft sicher bewegen.


All diese Funktionen sind natürlich wiederum vernetzt mit anderen Funktionen, die Verbindung zu den Augen hilft, die „Lage zu sondieren“, an das Gehirn werden Informationen weitergeleitet und von dort aus entsprechende Impulse an die Muskulatur gesendet.


Welche weitere Bedeutung hat der Gleichgewichtssinn?

Die gute Wahrnehmung und Regulierung des körperlichen Gleichgewichts gibt Sicherheit und ein Gefühl, sich auf sich selber verlassen zu können. Es wirkt sich aber auch auf andere Bereiche aus, z.B. auf das seelische Gleichgewicht, das Gefühl, ausgeglichen zu sein, sich wohlzufühlen und in sich selbst zu ruhen.

Und natürlich auf die ganz alltäglichen Aufgaben. Speziell bei den Schulkindern hat das Gleichgewicht eine zentrale Bedeutung für die Motorik, beispielsweise beim Schreiben, für die Augen-Hand-Koordination, fürs Lesen, für die Orientierung im (Zahlen)Raum,…


Was bewirkt ein "Ungleichgewicht"?
Der Körper ist ständig bemüht, ein Gleichgewicht zu suchen und zu finden. Dies kostet Energie und Kraft und kann zu Hypo- oder Hyperaktivität, zu Verhaltensauffälligkeiten, zu Ärger oder Frust und in der Folge auch zu verminderter Aufmerksamkeit oder zu Lernschwierigkeiten führen.


Kann Gleichgewicht helfen, konzentrierter zu sein und leichter zu lernen?

Ja, denn körperliches Gleichgewicht und seelische Ausgeglichenheit geben Sicherheit und Kraft. Mit individuell ausgesuchten Übungen aus der Evolutionspädagogik kann das Gleichgewicht des Kindes trainiert und gestärkt werden. Dadurch fühlt sich das Kind freier, es spürt mehr Kraft und Energie, die die Konzentration müheloser und das Lernen leichter machen.


Ganz allgemein kann das Gleichgewicht mit vielen Bewegungsübungen trainiert werden:

Schaukeln, hüpfen, sich drehen, balancieren, klettern, auf einem Bein stehen und versuchen, die Balance zu halten, rückwärts gehen, und, und,… Bestimmt fallen Ihren Kindern und Ihnen noch weitere Übungen ein, die viel Spaß machen.

Fürs 2. Halbjahr wünsche ich Ihnen und Euch eine gute Balance und viel Ausgeglichenheit.

Welche Evolutionsstufe ist die passende?
12.6.2019

Immer wieder werde ich gefragt, auf welcher Evolutionsstufe sich bestimmte Schwierigkeiten ansiedeln, zum Beispiel Konzentrationsprobleme, Legasthenie, ADS, Matheprobleme,…

Und ob es dafür spezielle Übungen gibt.


Es gibt zwar bei verschiedenen Lernproblemen häufig eine Tendenz zu gewissen Evolutionsstufen.

Viel wichtiger ist allerdings dabei, wie sich die Schwierigkeiten beim Kind zeigen, d.h. im Alltag in der Schule, der Hausaufgabenbetreuung oder zuhause. Was können wir beobachten? Wie fühlt sich das Kind? Wie sehen die Schwierigkeiten konkret aus?


Ein kleiner Streifzug durch die Evolutionsstufen soll dies deutlicher machen, am Beispiel von Matheproblemen:

Fisch:

Typisch sind unklare Ängste, die nicht formuliert werden können, oder auch z.B. Bauchschmerzen vor der Matheprobe/-schulaufgabe.

Amphibie:

„Null Bock“ auf Mathe, das Kind schaut aus dem Fenster oder zieht sich zurück wie eine Schildkröte in ihren Panzer.

Reptil:

Das Kind ist nicht in der Lage zu beginnen, loszulegen, oder macht seinem Ärger deutlich Luft.

Auch Probleme mit der Feinmotorik können auftreten. Oft sieht man ein undeutliches Schriftbild und Zahlen sind nicht klar zu lesen (z.B. 5 oder 6).

Säugetier:

Emotionales Aufgewühltsein (durch Erlebnisse mit Lehrern oder Mitschülern) kann so belasten, dass Lernen nur schwer möglich ist.

Probleme mit der Augen-Hand-Koordination können auftreten, das Kind schreibt falsch ab oder verdreht Zahlen.

Affe:

Eine unsichere körperliche Beweglichkeit im Raum kann zu Schwierigkeiten mit der „Bewegung im Zahlenraum“ führen. Dies kann z.B. beim Minusrechnen, beim Rechnen über den Zehner oder in der Geometrie beobachtet werden.

Urmensch:

Probleme findet man speziell bei Sach- und Textaufgaben, nämlich bei der Umsetzung von Sprache in eine mathematische Aufgabe.

Mensch:

Systematisches Arbeiten fällt schwer mit einem Gefühl, im Kopf ist ein „wirres Durcheinander“ von Zahlen.


So unterschiedlich können sich Schwierigkeiten in Mathe darstellen.

Und so gibt es auch nicht das eine Rezept, die richtige Lernstrategie oder die bestimmten zielführenden Übungen.

Die Evolutionsstufen ermöglichen eine differenzierte Sichtweise. Genau passende Übungen für das Kind mit seiner ganz persönlichen Ausdrucksweise stärken es individuell.

Das Kind kommt wieder in sein Gleichgewicht

…. und das bewirkt mehr und mehr Erleichterung und Leichtigkeit.

                                                                                                                                                  

Wie sind Blockaden zu „sehen“ und welche Auswirkungen können sie haben? Ein praktisches Beispiel
10.9.2018

Max kam mit seiner Mutter zu mir. Er besuchte die 3. Klasse und hatte Schwierigkeiten in Deutsch, vor allen Dingen mit dem Schreiben von Aufsätzen, außerdem brauchte er extrem lange für die Hausaufgaben, er sagte, er habe keine Lust. Die Mutter klagte über den täglichen Kampf mit den Hausaufgaben, der die ganze Familie belaste.
Sein Problem lag auf der "Reptilienstufe", etwas anzupacken, loszulegen und auch durchzuhalten fiel ihm sehr schwer.
In verschiedenen Tests fand sich eine Blockade im Bereich der Links-Rechts-Koordination.
Auf dem oberen Bild ist zu sehen, welche Probleme Max beim Malen von Schleifen hatte. Er sollte eine Zeile lang die ersten 3 Schleifen fortführen.
Das richtige Überkreuzen beim Schreiben (betrifft alle Schleifenbuchstaben wie kleines g, z, e, l, …) war ihm nur sehr schwer möglich.


Zu Beginn der Therapiestunde


Die Anstrengungen, die er durch das Schreiben erlebte, sind sichtbar und regelrecht spürbar.
Noch schwieriger wurde es beim Schreiben eines Aufsatzes. Die Gedanken fließen zu lassen und Ideen aufs Papier zu bringen, waren für ihn nur schwer möglich, weil das Schreiben an und für sich so viel Mühe kostete.
Dass er wenig Lust verspürte, etwas anzupacken oder durchzuhalten – vor allen Dingen, wenn die Anstrengung groß ist, der gewünschte Erfolg aber dann ausbleibt, ist gut verständlich.

Um die Blockade zu lösen, wurden eine Körperübung sowie eine Augenübung eingesetzt. Diese gezielten Übungen halfen dem Gehirn, blockierte Verbindungen wieder zu aktivieren.
Bei Max hat schon eine einmalige Ausführung der entsprechenden Übungen dazu geführt, dass eine Erleichterung eingetreten ist.


Am Ende der Therapiestunde

Zur Stabilisierung und um neue Verbindungen im Gehirn (Synapsen) zu schaffen, führte Max die Übungen für ein paar Wochen täglich durch, einige Minuten jeden Tag reichten dafür schon aus.
Die Schwierigkeiten haben sich – fast – aufgelöst. Nur die Hausaufgaben sind nach wie vor nicht seine Lieblingsbeschäftigung, aber nun doch leichter und entspannter zu erledigen als früher.


Das Gehirn aktivieren und zum „Klingen“ bringen
12.9.2017

Viele verschiedene Gedanken und Gefühle begleiten die Kinder und Jugendlichen zu Beginn des neuen Schuljahres:

Ob nun am ersten Schultag eher gute, gemischte oder ungute Gefühle im Vordergrund stehen – auf jeden Fall vollbringt das Gehirn stets Höchstleistungen und die Kinder und Jugendlichen schaffen während eines Schuljahres enorm viel.

Vergleichen könnte man das Gehirn mit einem Orchester, in dem alle Instrumente so zusammenspielen, dass ein wunderbarer Klang ertönt. Je besser und harmonischer das gemeinsame Zusammenspiel, desto gelungener das Ergebnis.
Damit die Gehirnareale noch besser zusammenarbeiten, sozusagen ein noch schönerer und vollerer „Klang erklingt“, gibt es in der Evolutionspädagogik verschiedene Übungen.

Einige Übungen, die das Zusammenspiel der linken und rechten Gehirnhälfte verbessern, sind Überkreuzübungen.
Dies können ganz einfache „Klatschspiele“ sein,
überkreuz boxen oder kicken,
Überkreuzbewegungen (linke Hand auf das rechte Knie, dann die rechte Hand auf das linke Knie, immer im Wechsel)
oder – wer es schwieriger möchte – mit Tüchern oder Bällen jonglieren.

Täglich ein paar Minuten können kleine Wunder bewirken.

Ein gutes Gelingen im neuen Schuljahr für Euch und Sie!


Interessantes zu Reflexen 
24.2.2017


Sogenannte frühkindliche Reflexe steuern verschiedene Bewegungen des ungeborenen Kindes. Jeder dieser Reflexe hat eine besondere Aufgabe und ermöglicht es, dass ein bestimmter Bewegungsablauf automatisiert wird.

Sind diese Bewegungsabläufe erlernt bzw. integriert, hat der entsprechende Reflex seine Aufgabe erfüllt und wird gehemmt.
Ein Beispiel für einen dieser frühkindlichen Reflexe ist der Palmar-Reflex, der das Greifen mit der Hand ermöglicht.
Es kann passieren, dass ein Reflex nicht oder nur teilweise gehemmt wird, d.h. er bleibt zum Teil aktiv. In der Folge können dadurch Schwierigkeiten und Probleme entstehen.
Am Beispiel des Palmar-Reflexes ist dies gut zu erklären. Bleibt der Palmar-Reflex weiterhin aktiv, können sich das feinere Greifen und die Feinmotorik der Hand nicht so gut entwickeln. Dies kann die Stifthaltung, das Schreiben oder das Schriftbild betreffen. Schreiben bedeutet dann sozusagen einen ständigen Kampf gegen die Grobmotorik zu führen, trotz Üben und Bemühen des Kindes.

Mit speziellen Übungen der Evolutionspädagogik kann ich Ihr Kind unterstützen und ihm helfen, die Entwicklung anzuschieben, so dass neue Bewegungsmuster sich stabilisieren und nicht mehr benötigte Reflexe ihre Aktivität verlieren.


Können positive Gefühle das Lernen beeinflussen?                       
13.9.2016


Ja unbedingt!
Neugierde, Vorfreude, Offenheit,
Begeisterung für ein Thema, das uns interessiert,
oder interessante Aspekte an einem Thema zu finden,
Freude, mit anderen oder alleine etwas zu erarbeiten,
Stolz, etwas geschafft zu haben und Mühsames durchgehalten zu haben,
Glücksgefühle und Zufriedenheit, wenn wir etwas verstanden haben -
all die guten Gefühle helfen uns, das Gelernte besser zu speichern und auch wieder besser abrufen zu können.

Denn gute Gefühle bewirken, dass andere Hormone ausgeschüttet werden als unter Stress. Diese Hormone sind eine wichtige Grundlage für erfolgreiches Lernen.
Und auch Bewegung bringt positive Gefühle zurück, aktiviert unseren Körper und unser Gehirn, hilft Stress und Negatives leichter loszulassen.
Zusätzlich: Viel trinken, genügend Pausen einbauen, in Etappen lernen, Kreativität und Spielfreude zum Lernen nutzen, mit allen Sinnen lernen, Lob für die Anstrengung und zum Schluss eine Belohnung.

Ihnen und Euch allen viel Kraft und gute Gefühle für ein erfolgreiches Schuljahr!

                                                                                                

Warum fördert Bewegung das Lernen?                          
Wie kann es sein, dass wir durch Bewegung für's Leben lernen?
15.2.2016

Bewegung wird durch das Gehirn gesteuert, aber Bewegung aktiviert auch umgekehrt unterschiedliche Gehirnareale.
Wir kennen das, wenn wir bestimmte Bewegungsabläufe einüben, z.B. beim Radfahren. Die Bewegungen werden mit mehr Übung immer koordinierter und sicherer.
Welche Rolle spielt hierbei das Gehirn? Die Nervenzellen im Gehirn verknüpfen sich untereinander, es werden Synapsen und neue Bahnen gebildet und verschiedene Gehirnbereiche arbeiten besser zusammen. Diese Verbindungen und Bahnungen stabilisieren und festigen sich mehr und mehr.
Schon während unserer frühesten Wachstumsphase in der Schwangerschaft sind Bewegung und Entwicklung eng verknüpft und sie bleiben es auch. Bewegung ermöglicht mehr und stabilere Verbindungen im Gehirn und diese Verbindungen ermöglichen uns wiederum, dass wir unser Gehirn besser "nutzen" können, sei es für unsere körperliche Sicherheit, für's Lernen, für unsere soziale Kompetenz, für die Reifung unserer Persönlichkeit, also einfach gesagt: für's Leben.

So wünsche ich allen Kindern und Erwachsenen ein bewegtes, bewegendes, erfülltes und lebendiges Leben.

Links

http://www.institut-pp.com

Literatur

Kinesiologie für KinderKinesiologie für Kinder

Ludwig Koneberg und Silke Gramer-Rottler
ISBN-10: 383381392X
ISBN-13: 978-3833813924

Das bewegte GehirnDas bewegte Gehirn

Ludwig Koneberg und Silke Gramer-Rottler
ISBN-10: 3466306597
ISBN-13: 978-3466306503

Die sieben SicherheitenDie sieben Sicherheiten

Ludwig Koneberg und Silke Gramer-Rottler
ISBN-10: 3466307279
ISBN-13: 978-3466307272

Verkannte GeniesVerkannte Genies

Ludwig Koneberg und Silke Gramer-Rottler
ISBN-10: 3466308704
ISBN-13: 978-3466308705